Einblicke in das Projekt „Leben mit dem Tod – Trauernde Familien begleiten“

Die Geschichte einer Mutter, die im Jahr 2020 plötzlich und unerwartet ihre Tochter verlor.

Seit 2012 bietet der DRK-Kreisverband Rheinisch-Bergischer Kreis e.V. in Kooperation mit dem Institut Dellanima in dem Projekt „Leben mit dem Tod – Trauernde Familien begleiten“ qualifizierte und professionelle Trauerbegleitung und Beratung für trauernde Kinder, Jugendliche und deren Familien sowie Begleitung, Schulung und Beratung für Kindergärten und Schulen.

Die Nachfrage nach professioneller Unterstützung während des oft anstrengenden Trauerprozesses ist groß und die Schicksale, mit denen die Trauerbegleiter*innen während ihrer Arbeit konfrontiert werden, oft niederschmetternd.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Leben ohne Dich“ wurde nun die Geschichte von Sophia veröffentlicht, die im Jahr 2020 an den Folgen einer Narkose beim Zahnarzt plötzlich und unerwartet verstarb. Sophias Mutter wird seitdem in unserem Projekt begleitet. Mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung dürfen auch wir ihre Geschichte teilen und können so einen weiteren Einblick in unsere Arbeit geben:

„‚Ich hab dich lieb, bis zum Mond und zurück – und ich dich durch das ganze Universum‘. Dies war unser Abendritual, zwischen Mutter und Tochter. Sie liebte mich durch das ganze Universum. Meine kleine Sophia, mein einziges lebendes Kind, wurde nur knapp sechs Jahre alt und starb am 17.5.2020 nach fünf Tagen, an den Folgen einer Narkose beim Zahnarzt, den Hirntot.

Unsere Bindung war eng, sehr eng. Sophia war anders, sie gab mir seit ihrer Geburt kaum Luft zum Durchatmen, kaum eine Nacht hat sie durchgeschlafen und woanders übernachten ging gar nicht. Sie war ein kleiner Freigeist und so wundervoll empathisch. Seit Ende 2017 hatte ich mich von ihrem Vater und ihrer pubertären Halbschwester getrennt. Wie erwartet war sie anfangs traurig, aber Papa-Zeit wollte sie nie. Es war immer ein Riesendrama wenn sie wusste, Papa kommt sie heute im Kindergarten abholen. Selbst diese vier Stunden ohne mich war zu viel für sie.

Das Wohl der Menschen um sie herum, war ihr wichtig und auch über kranke und arme Menschen hat sie nachgedacht. Sie liebte Schnecken und Gartenfiguren.

Hier möchte ich eine Anekdote aus ihrem Leben erzählen, die mich trotz des Schmerzes immer wieder Schmunzeln lässt. Es war Sommer 2019. Gewitter kündigte sich mit Donnergrollen an. Fini, so ihr Spitzname, rannte in den Garten und sammelte alle Gartenfiguren ein und stellte sie sicher in die Wohnung und das Zentrum der Schneckenheimat im Garten wurde mit Eimern abgedeckt. Damit keiner vom Blitz getroffen wird. Dasselbe tat sie in Belgien im selben Sommer, mit den Gartenfiguren des Ferienhauses. Davon habe ich zum Glück ein Foto, welches ich mit Euch teilen möchte.

Meine Fini ist völlig sinnlos, plötzlich und kerngesund aus dem Leben gerissen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zweimal wegen fahrlässiger Tötung.

Aber ihr Sein hat mich und ihren Vater dazu bewegt, Sophias Empathie weiterzugeben. Sophia ist eine Heldin, wie ihre Elsa, die Eiskönigin. Sie ließ los und war frei – auch ihr Körper war frei.

Sophia spendete einem Jungen und einer Frau ihre Nieren.

Ich bin stolz auf meine Maus und umso ambivalenter sind meine Gefühle, aber wenn nicht ihr, wer sonst versteht meine Gedankenwelt.“

                                                                 Der Text stammt von Sophias Mutter, Claudia Horsch